Selected Publications
MONOGRAPHS:
Essays by Simon Maidment, Lucas Gehrmann
Armed With Fever and Good Health, Torrance Art Museum, Los Angeles 2014;
Essay by Claire Breukel
We are hungry, in fact very hungry, hilger contemporary, Vienna 2012;
Essay by Claudia Slanar
Under the Paving Stones, the Beach, Kunsthallen Brandts, Odense 2011;
Foreword by Lene Burkard and Lars Gambrye, Aphorism by Marc Quinn, Essays by Margit Zuckriegl, Michael Jeppesen and Synne Genzmer
Auflösung der Ökonomie, Verlag für Moderne Kunst, Nürnberg 2011;
Essays by Martin Stather, Alfred Weidinger and Florian Steininger
Low Clouds, high spirits and the island, hilger contemporary, Vienna 2007; Essay by Florian Steininger
GLITCHED.
by Synne Genzmer (extract)
ASGAR/GABRIEL's painting can be understood as a kind of palimpsest of representation, an artistic practice conceived through principles of layering.
What is mixed together from art history, media and popular culture are not quotations in the strict sense, but rather echoes, borrowings, modifications, transformations of something familiar. Memories are evoked of which one cannot always be entirely sure. Foregrounds, backgrounds, middle grounds can be shifted together and into each other, alternate, intertwine, cross each other. Top and bottom, right and left appear reversed, an organism becomes independent limbs that separate or reassemble themselves. The figures have no closed contour, no unifying outline that would form a body that could be identified as an individual. The boundaries between body and space become blurred, just as rooms lose their floor, a living room is turned 90 degrees or upside down. Bodies from digital worlds meet bodies from the history of painting and sculpture. Identities dissolve, the abstract-gestural is represented just as illusionistically as the representational-figurative. The organization of the relationships between body and space, the hierarchies and orders that are effective in them are jumbled up.
Glitch is a breakdown, a slip that occurs unexpectedly, a technical fault, an error in digital software or visually an error in the image, an interruption, a tear, a missing part, something that has shifted. Glitch is also the title of a work by Asgar/Gabriel and, as a term, describes the way in which a ‟body without organs” (Deleuze/Guattari, A Thousand Plateaus) resists its usual function, in this case of pictorial representation: to create the illusion of spatiality on a surface. This body absorbs the space, becomes space itself, multiplies its parts and allows two- and three-dimensional forms to enter into a different kind of connection, which reshapes the space through entanglement or dislocation, forming a new fabric by entangling itself in it. Organless parts without a skeleton have an elastic effect on orientation, as if in a kind of utopian/dystopian hall of mirrors.
GLITCHED.
von Synne Genzmer (Auszug)
Die Malerei von ASGAR/GABRIEL lässt sich als eine Art Palimpsest der Repräsentation verstehen, eine durch Prinzipien des Schichtens konzipierte künstlerische Praxis.
Was sich aus Kunstgeschichte, Medien und Populärkultur miteinander vermischt sind keine Zitate im eigentlichen Sinne, sondern eher Anklänge, Anleihen, Abwandlungen, Verwandlungen von etwas Bekanntem. Erinnerungen werden hervorgerufen, derer man sich nicht immer ganz sicher sein kann. Man möchte sich die Augen reiben, um klarer zu sehen: Ist es eine Tapete oder die hinterste Ebene des Bildprogramms? Es ist eben immer beides.
Fast unmerklich passt hier eigentlich nichts zusammen, Raum und Körper sind geglichted. Vordergründe, Hintergründe, Mittelgründe können miteinander und ineinander verschoben werden, wechseln einander ab, verschränken sich, durchqueren einander. Gebilde aus aufgestapelten Formen besetzen als große chaotische Haufen die Innenräume, das Interieur sieht vollgeräumt aus, angefüllt von organischen Objekten oder Körperteilen, von abstrakten Cut-Outs. Oben und unten, rechts und links erscheinen vertauscht, aus einem Organismus werden selbständige Glieder, die sich abtrennen oder neu zusammensetzen. Die Figuren haben keine geschlossene Kontur, keine vereinheitlichende Umrisslinie, die einen Körper bilden würde, der als Individuum identifiziert werden könnte, es sind oftmals Körper ohne Kopf, ohne Gesicht, ohne Augen, vielmehr reine Formen, körperhaft oder flach, die vielleicht an ein Bein oder einen Fuß anschließen. Grenzen zwischen Körper und Raum verschwimmen, Räume verlieren ihren Boden. Körper aus Computerwelten treffen auf Körper aus der Geschichte der Malerei und Skulptur. Identitäten lösen sich auf, Abstrakt-Gestisches wird ebenso illusionistisch repräsentiert wie Gegenständlich-Figuratives. Die Organisation der Verhältnisse von Körper und Raum, die darin wirksamen Hierarchien und Ordnungen sind durcheinander gewürfelt.
Glitch ist eine Panne, ein Ausrutscher, der unerwartet auftritt, eine technische Störung, ein Fehler in einer digitalen Software oder visuell ein Fehler im Bild, eine Unterbrechung, ein Riss, eine Fehlstelle, etwas, das sich verschoben hat. Glitch ist auch der Titel einer Arbeit von Asgar/Gabriel und trifft als Begriff die Weise, auf die ein „organloser Körper“ (Deleuze/Guattari, Tausend Plateaus) sich seiner üblichen Funktion widersetzt, im Falle piktoraler Repräsentation: die Illusion von Räumlichkeit auf einer Fläche zu erzeugen. Dieser Körper absorbiert den Raum, wird selbst zum Raum, multipliziert seine Teile und lässt zwei- und dreidimensionale Formen eine andere Art von Verbindung eingehen, die durch Verschränkung oder Dislozierung den Raum neu formt, sich darin verheddernd ein neues Gewebe bildet. Organlose Teile ohne Skelett wirken elastisch auf die Orientierung wie in einer Art utopisch/dystopischem Spiegelkabinett, das die Gegenwart einer etwas durcheinander geratenen Plaste- und Elaste-Welt in Schwindel versetzt.